F1 – Unstimmigkeiten: Jürgen Krause geht

9. Februar 2018

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung vom 09.02.2018

Verein und Trainer trennen sich nach der Saison / Thema Neuzugänge ein Knackpunkt

Das mit großer Euphorie gestartete Projekt mit Jürgen Krause und Kerstin Zimmermann als gleichberechtigtem Trainerduo bei den Zweitliga-Handballerinnen der FSG Waiblingen/Korb endet nach nur einer Saison. Wegen Unstimmigkeiten mit der Führung des federführenden VfL Waiblingen trennen sich die Wege von Team und Krause zum Rundenschluss.

Gerüchte, dass die vor der Saison ausgestrahlte Harmonie beim Aufsteiger verblasst ist, gab es schon länger. Bereits am 8. Januar, sportlich lief beim Team gerade wenig zusammen, war im Internet-Forum „handballecke.de“ zu lesen: „Man munkelt, dass die Hälfte der Mannschaft sich gegen Trainer Krause gestellt hat, weil das Training zu lasch ist.“ Hartnäckig hält sich auch Geraune, Krause müsse deshalb zum Saisonende den Hut nehmen. Das jedoch bestätigen weder Krause noch der VfL-Vorsitzende Karsten Reichmann und der Sportliche Leiter Nadir Arif – alle drei sagen: Krause gehe von sich aus. Auch, dass sich Spielerinnen gegen den Trainer ausgesprochen hätten, „ist mir nicht bekannt“, erklärt Reichmann. In jeder Mannschaft gebe es welche, die mit einem Coach nicht zufrieden seien. Doch insgesamt funktioniere das FSG-Team: „Die sportliche Leistung und die Bilanz der Trainer stimmen. Wir haben bei weitem nicht erwartet, dass die Mannschaft so gut spielen würde.“

In der Tat hat Waiblingen/Korb seine kurze Krise überwunden. Zuletzt gab es drei Siege in Folge. Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, allerdings hat der Tabellenvierzehnte BSV Sachsen Zwickau ein Spiel weniger absolviert. Nicht vergessen werden darf aber auch, dass sie ohne den Drei-Punkte-Abzug wegen des in drei Partien falschen Spielerpasses von Kyra Teixeira da Silva noch deutlich besser dastünde. Dieser Abzug sei ohnehin nicht gerechtfertigt gewesen, kritisiert Reichmann: „Beim ersten Spiel war er okay, aber beim zweiten hätte dem Verband der Spielerpass sofort auffallen müssen.“ In einem vergleichbaren Fall sei deshalb die Bestrafung für einen Verein nachträglich abgemildert worden.

Mit der Arbeit der Trainer ist der VfL-Vorstand also zufrieden. Warum nun dennoch die Trennung? Reichmann: „Wir haben verschiedene Auffassungen, was die sportlichen Ziele betrifft. Jürgen wollte kurzfristig in die erste Liga aufsteigen.“ Das lässt der Trainer so nicht ganz stehen – „mittelfristig“ sei richtig. „Ein kurzfristiger Aufstieg wäre für den Verein ein Supergau.“ Sein, Krauses, Ziel sei es gewesen, erst in zwei Jahren ins Oberhaus zu klettern. „Wenn man Spielerinnen holen will, muss man ihnen die Perspektive bieten, aufzusteigen.“ Aber: Die Vereinsführung „und ich sind uns nicht einig geworden, welche Spielerinnen neu hinzukommen sollen“. Dabei bestehe Handlungsbedarf, weil Sina Stumpp (Rückraummitte) in der kommenden Saison aufgrund eines Auslandsaufenthalts nicht zur Verfügung stehe und der Vertrag der Außenspielerin Bianca Grigore auslaufe. Krause sagt, er habe sich mit seiner Trainerkollegin Zimmermann vor den Gesprächen mit der Vereinsführung wie gewohnt abgestimmt. „Unserem Team hätte vor allem eine erfahrene Spielerin in der Rückraummitte gutgetan. Aber das wollte der Verein nicht.“

Die Spielberichte der FSG II haben Krause nicht gefallen

Doch es gibt weitere Gründe, warum Krauses Engagement nach der Saison endet. Offenbar sauer aufgestoßen sind ihm die von Reichmann selbst verfassten Drittliga-Spielberichte der FSG II, die mit zwei Punkten abgeschlagen auf dem vorletzten Platz steht und wohl in die Oberliga absteigen wird. „Die Vereinsführung wollte schon, dass wir die zweite Mannschaft mehr mit Spielerinnen unterstützen, das habe ich aus den Artikeln so herausgelesen. Aber wir haben gesagt, dass wir so viele Angeschlagene haben, dass das keinen Sinn macht.“

Vier Wochen lang habe er, Krause, in der Übergangsphase des Trainerwechsels von Nadir Arif zu Rainer Bay parallel auch die FSG II trainiert. „Ich wollte dem Verein helfen.“ Das könne aber mit ein Grund dafür gewesen sein, dass es in dieser Zeit beim Zweitligateam nicht so gut lief. „Ich konnte mich nicht mehr so konzentrieren.“ Den aus dem Umfeld der FSG I zu hörenden Vorwurf, Krause habe Training und Spieltaktisches insgesamt an sich gerissen und Zimmermann nicht als gleichberechtigte Kollegin eingebunden, weist er zurück: „In der Vorbereitungsphase hatte sich Kerstin ein bisschen arg zurückgenommen, aber das ist schon lange nicht mehr so.“ Dazu sagt Zimmermann: „Ich habe mich während der Vorbereitung nicht bewusst zurückgehalten. Aber weil Jürgen das Spielsystem seiner vorigen Korber Mannschaft zu 90 Prozent weiterführen wollte, konnte ich mich in dieser Phase nicht so einbringen.“

Das Hauptproblem bei der FSG war aus Krauses Sicht die mangelnde Kommunikation mit der Vereinsführung. Das sei aber nicht als Vorwurf zu verstehen. Denn seit dem Brand in der Waiblinger Zentralklinik am 8. April 2017 seien Dr. Karsten Reichmann als einer von drei Geschäftsführern und dazu noch Arzt sowie der ebenfalls in der Klinik beschäftigte Arif eben sehr eingespannt. Dafür könne niemand was.

Leicht falle ihm die Entscheidung, nach der Saison aufzuhören, nicht, sagt Krause. Immerhin hatte er den SC Korb von der Oberliga zum Meistertitel in der 3. Liga Süd geführt und so den Aufstieg der FSG ermöglicht. Andererseits „habe ich vier Jahre lang durchtrainiert, eine schöpferische Pause ist da nicht so schlecht“. In der kommenden Saison will Krause aussetzen.

Zunächst gilt es aber noch für ihn und Zimmermann, mit dem Zweitligisten den Klassenverbleib zu sichern. Derweil macht sich der VfL-Vorstand Gedanken, wie es im Trainerbereich weitergehen soll. „Wir haben alle Zeit der Welt“, betont Reichmann. Merkwürdig mutet trotzdem an, dass Kerstin Zimmermann sagt: „Mit mir ist noch nicht geredet worden.“ Das bestätigt auch der Vorstand: Die Zeit habe dafür noch nicht gereicht. Immerhin unterstreicht Reichmann: „Kerstin Zimmermann hat einen Zwei-Jahres-Vertrag. Sie bleibt.“ Doch in welcher Funktion? Unklar.


Mit dem SC Korb hatte Jürgen Krause der neugegründeten FSG Waiblingen/Korb den Aufstieg in die 2. Bundesliga ermöglicht. Mittelfristig wollte der Trainer mit dem Team (von Links Sinah Hagen, Nicole Roth, Simona Nikolovska) sogar in die 1. Liga klettern. Doch dazu wird es jetzt nicht mehr kommen: Aufgrund von Problemen mit dem Vorstand des VfL Waiblingen trennen sich die Wege von Krause und der Mannschaft zum Saisonende. Bild: Steinemann

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