Die neue Bescheidenheit in Waiblingen

2. April 2016

Das veränderte Führungsteam des VfL will Erfolge, aber langfristige

Die Ziele weniger vollmundig formulieren, dafür mehr auf die eigene Jugend und Talente aus der Region setzen. Mit diesem Konzept macht sich das Team der Handballer des VfL Waiblingen mit dem neuen Vorsitzenden Karsten Reichmann und Geschäftsstellenleiter Nadir Arif an die Arbeit.

Nach der Entscheidung von Steffen Leßig, nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden zu kandidieren, musste sich der Handballverein neu aufstellen. Sportlich waren die Ziele, unter anderem die Aufstiege der Frauen in die 2. Liga und der Männer in die Baden-Württemberg-Oberliga, verfehlt worden. Leßig, der an der Spitze eines Teams die Ausgliederung der Handballer aus dem Großverein VfL gestemmt hatte, übernahm dafür die Verantwortung.

Viele Personen kamen für die Nachfolge nicht in Frage. Reichmann, der die Handballer schon einmal zwei Jahre lang geführt hatte, war eine logische Wahl. Der 52-Jährige sagt, aus Verbundenheit mit dem Verein – vor zwölf Jahren hatte er als Mannschaftsarzt bei den Männern begonnen – habe er den Vorsitz gerne wieder übernommen. Sein Anspruch: „Wir müssen weg vom Image, dass man als Spieler nach Waiblingen geht, um Geld zu verdienen.“

Anders als in den zurückliegenden Jahren wolle der VfL verstärkt eigene Talente an die Aktiventeams heranführen. Bei den Männern wird das einfacher sein. „Wir haben eine sehr gute A-Jugend.“ Im weiblichen Bereich allerdings „klafft eine schmerzhafte Lücke in der A- und B-Jugend“. Diese soll möglichst schnell geschlossen werden. Zudem gelte es, die Qualität der Jugendtrainer zu verbessern. Außerdem wird daran gearbeitet, von der Jugend bis zu den Aktiven ein einziges Spielsystem zu installieren.

Weil das Frauenteam in der 3. Liga spielt – der Abstieg kann wohl in der laufenden Saison verhindert werden – und das Männerteam in der Württembergliga, wird der VfL nicht ganz auf starke Neuzugänge verzichten können. Doch vermehrt sollen auch Spieler aus der Region angelockt werden. Davon erhofft sich der Verein unter anderem mehr Zuschauer. „Unser Zugpferd bei den Frauen ist Kerstin Zimmermann. Sie ist eine fantastische Trainerin.“ Reichmann ist davon überzeugt, dass ihretwegen bald Spielerinnen zum VfL kommen.

Dem Männerteam auf die Beine helfen soll in der nächsten Saison das Trainerduo Maik Hammelmann, er ist auch Sportlicher Leiter, und Tim Baumgart. Reichmann wünscht sich Kontinuität im Traineramt. Die ständigen Wechsel in den vergangenen Spielzeiten waren für den Ruf des VfL nicht gerade förderlich. Aufstiegsziele formuliert der Vorsitzende nicht, der Plan sei zunächst einmal auf drei Jahre angelegt. Ziel sei es, möglichst schnell den Klassenerhalt zu sichern und dann zu schauen, was nach oben geht. Auch eine zweite Frauenmannschaft soll es wieder geben.

Um diese Aufgaben anzugehen, wird die Arbeit im Vorstand auf mehrere Schultern verteilt. Neu geschaffen worden ist das Amt des Geschäftstellenleiters. Dieses hat der 33-jährige Nadir Arif inne. „Ich koordiniere die Anmeldung der Mannschaften, schreibe Spieler- und Sponsorenverträge und bin der Ansprechpartner für alle.“ Arif fungiert auch als Sportlicher Leiter im Frauenbereich und unterstützt Kerstin Zimmermann bei der Planung.

Die Weichen sind gestellt, jetzt aber beginnt die Arbeit erst. Reichmann weiß: „Die Erwartungshaltung des Waiblinger Publikums ist gewaltig. Aber wir haben gesagt, wir backen jetzt mal kleinere Brötchen.“

Quelle zvw.de 29.03.2016

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Der neue Vorsitzende Karsten Reichmann (rechts) und Geschäftsstellenleiter
Nadir Arif möchten die Handballer des VfL Waiblingen mit Besonnenheit
nach vorne bringen. 
Foto: ZVW

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