Die Ära Steffen Leßig endet im März

22. Januar 2016

Der Vorsitzende des VfL Waiblingen Handball tritt nicht mehr zur Wiederwahl an.

Der 2014 gegründete Verein VfL Waiblingen Handball steht vor einem Umbruch: Steffen Leßig wird bei der Mitgliederversammlung am 15. März. nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden kandidieren. Als Hauptgrund nennt er berufliche Verpflichtungen. Er übernehme aber auch die Verantwortung dafür, dass sportliche Ziele des Vereins nicht erreicht worden sind.

Steffen Leßig hat die Arbeit bei den Waiblinger Handballern entscheidend geprägt. Auf fünf Jahre als Jugendtrainer folgten drei Jahre als Abteilungsleiter, damals noch im Großverein VfL Waiblingen. Seit Gründung des neuen Vereins VfL Waiblingen Handball im März 2014 ist er dessen Vorsitzender. In zwei Monaten endet diese Ära. Als Verantwortlicher muss man sich an seinen Zielvorgaben messen lassen. Das war und ist Steffen Leßig bewusst. In seine Amtszeit fallen einige Erfolge. Sein größter ist die gelungene Ausgliederung der Handballabteilung und die Gründung des VfL Waiblingen Handball. „Der Übergang war reibungsfrei.“

Sportlich allerdings lief es nicht wie geplant. Die Ziele wurden, es ist eine Tradition bei den Waiblingern, hoch gesteckt. In der ersten Saison sollten die Männer des neuen, reinen Handball-Vereins in die Baden-Württemberg-Oberliga, in der zweiten die Frauen in die 2. Bundesliga Aufsteigen. Dafür wurden kräftige Anstrengungen unternommen. Dazu gehörte bei den Männern die Verpflichtung von Spitzenspielern und der radikale Umbau der Mannschaft. Doch trotz Favoritenrolle platzte der Traum vom Aufstieg. Hinzu kam eine unglückliche Außendarstellung. Obwohl das Team den Verbandspokal holte, wurde kurz darauf Trainer Michael Abele entlassen, weil der Aufstieg in der Liga langsam in Gefahr geriet.

Nach der Saison folgte ein erneuter personeller Umbruch, im Moment steht der VfL nur auf dem zehnten Tabellenplatz. Bei den Frauen ist die Lage sogar dramatisch. Schon vor der laufenden Drittliga-Saison musste das Aufstiegsziel ad acta gelegt werden. Und jetzt steht der VfL nur einen Punkt vom ersten Abstiegsplatz entfernt. Trainerin Monika Haiber wurde entlassen. Kerstin Zimmermann, die eigentlich erst zur kommenden Saison zum VfL wechselt, hat das Team übernommen, wird es aber nur in ihrer Freizeit coachen. Denn sie steht beim Württembergliga-Tabellenführer SF Schwaikheim unter Vertrag (siehe unten). Ins schlechte Bild, das die Waiblinger im Frauenbereich abgeben, passt, dass die zweite Mannschaft mangels Personal aus der Landesliga abgemeldet wurde.

Steffen Leßig sagt, sein Abschied vom Amt als Vorsitzender habe vor allem berufliche Gründe. „Aber ich sehe mich auch in der Verantwortung, dass wir Ziele nicht erreicht haben. Dafür stehe ich gerade, ich bin da konsequent mir selbst gegenüber.“ Die Suche nach einem Nachfolger läuft, ist laut Leßig jedoch schwierig. Sollte aber auch bei der Mitgliederversammlung am 15. März keiner gefunden werden, wäre der VfL Waiblingen Handball dennoch geschäftsfähig. Denn die anderen Vorstandsmitglieder – Frank Ader (stellvertretender Vorsitzender), Silke Reichmann (Sponsoring) und Roswitha Kallenberg (Finanzen) – bleiben ebenso wie der vierköpfige Wirschaftsbeirat. Auch mit dem neuen sportlichen Leiter bei den Männern, Rückkehrer Maik Hammelmann, und dem künftigen Trainerteam bei den Frauen, Kerstin Zimmermann und Johanna Johansson, sieht Leßig den Verein gut aufgestellt. Er selbst wolle vorerst keinen offiziellen Posten mehr annehmen. „Ich unterstütze den Verein aber natürlich weiterhin.“

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Respekt für Leßig Komentar von Mathias Schwardt.

Wie jeder, der etwas bewegen will, hat sich der scheidende Vorsitzende des VfL Waiblingen Handball nicht nur Freunde gemacht. Steffen Leßig trat gerne als Macher auf. Aus Vereinskreisen war zu hören, einigen schmecke sein Führungsstil nicht. Ziele wurden – in Abstimmung mit dem Vorstand – hoch gesteckt und vollmundig präsentiert. Der vermittelte Eindruck, der Verein drehe stets an den ganz großen Rädern, hat dem Ruf der Waiblinger geschadet. Dass Leßig jetzt aber für die nicht erreichten Aufstiegsziele die Verantwortung übernimmt und auch deshalb nicht mehr als Vorsitzender kandidiert, verdient Respekt. Und die gelungene Ausgliederung der Handballer aus dem VfL Waiblingen war eine große Leistung. Es überrascht nicht, dass noch kein Nachfolger gefunden ist. Über einen Vereinschef zu schimpfen ist eben einfacher, als es besser zu machen.

Quelle: ZVW.de vom 22.01.2016

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