F1 – Auf eigenen Beinen und mit klarem Ziel

4. September 2014

Nach der Ausgliederung aus dem Gesamtverein strebt der VfL spätestens 2015/2016 den Aufstieg in die 2. Liga an

Der Leistungssport soll im Vordergrund stehen bei den Handballern des VfL Waiblingen nach der Gründung eines eigenständigen Vereins. Für das Frauen-Drittliga-Team bedeutet dies, dass spätestens 2015/2016 die 2. Liga angepeilt wird. In dieser Saison möchte der VfL vorne mitspielen – wobei sich die Verantwortlichen gegen den sofortigen Aufstieg nicht wehrten.

Auf den ersten Blick scheint gar nicht so viel neu zu sein bei den Handballern des VfL Waiblingen – außer, dass er seine Ziele unmissverständlich verkündet: „Dieses Jahr zählt’s“, lautet das Motto, das auf diversen Plakaten und im Saisonheft zu sehen ist. Mit dem Slogan „Wir sind Waiblinger – Spitzenhandball aus der Kernstadt“ werben die Handballer schon länger. Es herrscht Aufbruchstimmung, daran gibt’s keinen Zweifel.

Türöffner
Ex-Bundestrainer Leukefeld berät VfL

„Als eigenständiger Verein aufzutreten ist natürlich ein gravierender Einschnitt“, sagt der Vorsitzende Steffen Leßig. Nachdem der riesige Verwaltungsaufwand, der mit der Neugründung einherging, mehr oder weniger erledigt ist, konzentrieren sich die Verantwortlichen nun aufs Sportliche. Die erste Männermannschaft strebt in der kommenden Saison den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga an. Die Frauen möchten zurück in die 2. Liga – und zwar mit nahezu komplett runderneuerter Belegschaft.

Sechs Spielerinnen haben den VfL verlassen, acht kamen hinzu. Ein derart radikaler Umbau ist für gewöhnlich mit Chancen und Risiken verbunden. „In der ersten Saison müssen wir abwarten, wie schnell die Abstimmung funktioniert“, sagt Leßig. „Ich bin jedenfalls der Meinung, dass wir zum ersten Mal eine gesunde Mischung aus erfahrenen und jungen Spielerinnen haben.“ Routiniers und Talente hatte der VfL allerdings auch in den vergangenen Jahren im Kader. Wo liegt also der Unterschied? Der VfL habe drei, vier Jahre um die Plätze drei bis fünf gespielt, sagt Leßig. Dabei sei dem Team stets genügend Potenzial zugeschrieben worden, den Aufstieg zu schaffen. „Warum hat es aber nie gereicht?“, fragt Leßig und beantwortet die Frage gleich selbst. „Ich denke, es hat der letzte Biss gefehlt.“ Die Spielerinnen aus der zweiten Reihe hätten zu wenig Druck ausgeübt auf die Etablierten.

Auch in der vergangenen Spielzeit sei es der Mannschaft nicht gelungen, bis zum Schluss die Spannung hochzuhalten, sagt der Trainer und Sportliche Leiter Nadir Arif. Die eine oder andere Spielerin, die ihr Karriere-Ende vor Augen hatte, habe womöglich nicht mehr Vollgas gegeben. Sofehlten am Ende sieben Punkte auf Rang zwei, der zu den Aufstiegsspielen gereicht hätte. Möglicherweise habe auch manche die Stärke der 3. Liga unterschätzt. „Hier tummeln sich etablierte Spielerinnen, da geht’s schon zur Sache“, sagt Arif.

Bei der Zusammenstellung des neuen Kaders seien die Kandidatinnen auf ihre professionelle Einstellung hin geprüft worden soweit dies überhaupt möglich sei. Schließlich lässt sich die sportliche Qualität viel leichter beurteilen als der Charakter einer Spielerin. „Wobei wir schon versuchen, in möglichst vielen Gesprächen und Treffen die Spielerinnen kennenzulernen, bei den jungen Spielerinnen sind öfter die Eltern dabei“, sagt Arif. „Irgendwann bekommt man ein Gefühl dafür, ob es passt.

„Ein wichtiger Türöffner bei den Neuverpflichtungen war Dago Leukefeld. Der ehemalige Bundestrainer unterstützt den VfL als Sportlicher Berater. Abgesehen davon, dass alleine der Name des 51-Jährigen die eine oder andere Spielerin zum VfL lockt, hat Leukefeld hervorragende Kontakte. Er vermittelte beispielsweise die slowakische Nationalspielerin Simona Pilekova (27). Sie und ihre Landsfrau Zofia Fialekova (28) sind die namhaftesten Verpflichtungen des VfL Waiblingen. Die beiden bilden das Herzstück der VfL-Defensive: Im aggressiven Mittelblock sollen sich die Gegner die Zähne ausbeißen. In der Vorbereitung habe dies schon ganz gut funktioniert, im Angriff dagegen bräuchten die Neuen noch Zeit, sagt Arif. In der ersten Liga spielte Pilekova vornehmlich auf Linksaußen, beim VfL ist sie im linken Rückraum eingeplant. „Die Umstellung ist nicht einfach, hier muss sie mehr Entscheidungen treffen.“

Wie im Saisoneröffnungsspiel am Sonntag gegen den Baden-Württemberg-Oberliga-Aufsteiger SC Korb, das der VfL mit 25:26 verlor. Die Niederlage schmeckte den Verantwortlichen natürlich nicht, lässt sie aber auch nicht zweifeln. „Die Mannschaft weiß, dass sie vieles nicht gut gemacht hat“, sagt Leßig. „Deshalb hat sie sich selbst einen Freizeittermin gestrichen und stattdessen trainiert.“

Mit Nina Beyerle (19), Natalie Straub (18), Alina Hiller (17) und Saskia Hiller (19) holte der VfL gleich vier junge Spielerinnen vom TV Nellingen, der für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt ist. Carolin Schenke (Pforzheim) zählt mit 28 Jahren zu den erfahrenen Spielerinnen. Sinah Hagen, die im Oktober erst 18 Jahre alt wird und vom Liga-Konkurrenten TV Holzheim kommt und parallel für die A-Jugend der SV Remshalden aufläuft, deutete in der Vorbereitung ihre großen Qualitäten an. „Um sie haben wir sehr gekämpft“, sagt Arif. Hagen sei auf Rückraum-Mitte die einzige Spielerin mit einer fixen Position. „Wobei wir aufpassen müssen, dass ihr nicht die alleinige Verantwortung aufgetragen wird.“

Grundsätzlich glaubt Nadir Arif, dass sein variables Team schwieriger auszurechnen sein wird als in der Vergangenheit. Zuletzt waren die Waiblingerinnen häufig von den Toren Sulamith Kleins abhängig. „Wir haben jetzt viele Möglichkeiten.“ Nicht nur im Angriff, sondern auch in der Abwehr. Arif wird zwar vorwiegend in der 6:0-Formation spielen lassen, die 3:2:1 oder 5:1 sei aber durchaus eine Alternative.

So oder so: Der Plan ist, aus einer stabilen Defensive mit einem „guten Torhüter-Duo“ schnelle Angriffe zu spielen („wir haben eine super erste Welle“), den Gegner im Positionsangriff zum Laufen zu bringen und Eins-gegen-eins-Aktionen zu kreieren. „Es muss schwierig werden, uns ohne Zeitstrafe zu stoppen.“

Baustelle
Erfolg forciert den Hallenbau

Steffen Leßig ist überzeugt davon, dass der VfL vorne mitspielen kann. Wie weit er von der Spitze weg sein wird, hängt natürlich nicht nur von der eigenen Stärke ab. Die Bundesliga-Reserve der SG BBM Bietigheim ist für den VfL-Vorsitzenden der große Aufstiegsfavorit, auch der TSG Ketsch räumt er gute Chancen ein. Die TG Nürtingen sei in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. Sollte indes ein Kontrahent schwächeln, wäre der VfL vorbereitet, sagt Leßig. Ein Aufstiegsverzicht kommt für ihn jedenfalls nicht infrage.

„Der Etat in der 2. Liga wäre in etwa doppelt so hoch“, sagt Leßig. „Wir arbeiten daran, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Die Sponsoren hätten jedenfalls bereits signalisiert, dass sie den Weg mitgingen. Die Verpflichtung von Leukefeld sei der erste Schritt gewesen zur Professionalisierung, weitere Schritte müssten folgen. So denken die Verantwortlichen darüber nach, Nadir Arif irgendwann zu entlasten. Der 31-Jährige ist nicht nur portlicher Leiter und Trainer der Drittliga-Mannschaft, er coacht auch noch die zweite Frauenmannschaft. Dies hat zwar den Vorteil, dass er alle Spielerinnen kennt und die Durchlässigkeit gewährleistet ist. „Eine Dauerlösung ist das aber nicht“, sagt Leßig. „Es wäre sicher von Vorteil, wenn man sich auf ein Team konzentrieren kann.“

Sollte dem VfL tatsächlich mittelfristig der Aufstieg gelingen, wäre er eine Baustelle nicht los: Die Rundsporthalle ist theoretisch zwar zweitligatauglich, aber alles andere als ein Vorzeigeobjekt. Steffen Leßig bleibt diesbezüglich ziemlich entspannt. „Wir müssen sportlich vorlegen“, sagt er. „Irgendwann bleibt dann der Sportstadt Waiblingen keine andere Möglichkeit mehr, als zu reagieren.“

F1_14-15_1024x491Hinten von links: Trainer Nadir Arif, Carolin Schenke, Simona Pilekova, Alina Hiller, Nina Beyerle, Mara Seitzer, Silke Heimburger, Vorsitzender Steffen Leßig. Vorn von links: Physio Melanie Weiß, Zofia Fialekova, Annika Bier, Lisa Fleischer, Katharina Blum, Stephanie Frick, Sinah Hagen, Tabea Schmidt. Nicht auf dem Foto: Co-Trainer Stephan Meiser, Saskia Hiller, Cora Goldmann, Yvonne Stadler, Natalie Straub.

Quelle: ZVW 04.09.2014 Thomas Wagner

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